Der edle Akt

von Lektor Tobias Böker

Liebe Leserinnen und Leser

Gott erschafft den Menschen schön, verletzlich und voller Sehnsucht nach Nähe.

Am 22. Mai durfte ich an der Eröffnung der Sonderausstellung „Der edle Akt. Porzellan und Erotik“ im Museum Schloss Fürstenberg teilnehmen. Ich bin noch immer völlig begeistert von den Exponaten und den teilweise sehr erotischen Darstellungen.
Die Ausstellung widmet sich der künstlerischen Darstellung von Erotik, Sexualität und Geschlechterrollen in der europäischen Porzellankunst über einen Zeitraum von drei Jahrhunderten. Das breite Spektrum reicht vom verspielten Rokoko des 18. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Objekten. Neben hauseigenen Stücken der Manufaktur Fürstenberg sind auch exklusive Leihgaben anderer großer Häuser wie der Meissener Porzellanmanufaktur zu sehen. Besonders faszinierend sind die modernen Perspektiven: Die Schau verbindet historische Figuren gekonnt mit aktuellen Diskursen über Körperpolitik, Geschlechteridentitäten und queere Kunst. Es werden auch provokante Brüche gezeigt, wie etwa moderne Sextoys auf klassisch gestapelten Porzellantellern. Zu den absoluten Künstler-Highlights zählen die speziell für diese Ausstellung geschaffenen, erlesenen Porzellanarbeiten des renommierten Dresdner Duos Studio Zschocke Böer.
Beim Betrachten dieser filigranen Kunstwerke kam ich ins Nachdenken über unsere heutige Zeit. Warum wird Sexualität in unserer Gesellschaft eigentlich so oft in eine Schmuddelecke gepackt? Einerseits sind wir scheinbar hypersexualisiert, überall online verfügbar und billig konsumierbar. Andererseits fehlt oft die Tiefe, die Würde und die Ästhetik. Das Intime wird oft entweder tabuisiert oder zur seelenlosen Ware degradiert.

Gehört Sexualität wirklich in diese Schmuddelecke? Die Bibel antwortet darauf mit einem klaren Nein. Im Gegenteil: Sie feiert die körperliche Liebe. Das Hohelied der Liebe im Alten Testament ist ein ganzes Buch voller leidenschaftlicher, hochgradig erotischer Poesie. Dort heißt es über die Geliebte:„Wie schön bist du und wie hold, du Liebe voller Wonnen!“(Hohelied 7,7). Hier wird nicht verschämt geschwiegen. Hier wird die Lust, das Begehren und die Schönheit des Körpers besungen.
Gott hat uns als körperliche Wesen geschaffen. Das weiße Porzellan in Fürstenberg erinnert uns daran, wie edel, aber auch wie verletzlich diese Gabe ist. Sexualität gehört nicht in den Schmutz, sondern ins Licht – als Ausdruck von Lebensfreude, tiefer Begegnung und göttlicher Schöpferkraft. Daher kann ich diese Ausstellung wirklich jedem nur wärmstens ans Herz legen; man sollte sie unbedingt besuchen, wenn man es zeitlich einplanen kann.

Schließen wir ganz im Sinne der Liebe, der Offenheit und mit dem legendären, treffenden Spruch von Lilo Wanders aus ihrer Kultsendung „Wa(h)re Liebe“:

„Öffnet die Herzen – herzt die Öffnungen!“