Gesicht zeigen für die Vielfalt

Es gibt offizielle Berichte darüber, dass am Rathaus in Holzminden die Regenbogenflagge, spezifisch die „Progress Pride Flag“, gehisst wurde. Das Hissen fand am 17. Mai 2026 anlässlich des Internationalen Aktionstags gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) statt. Diese Aktion basiert auf einem offiziellen Beschluss des Rates der Stadt Holzminden. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Sonja Drollinger, betonte in den Berichten, dass die Flagge als sichtbares Zeichen für Offenheit, Vielfalt und gegenseitigen Respekt dient. Entsprechende Meldungen dazu wurden im Presseservice der Stadt Holzminden sowie in regionalen Medien wie den Holzminden News veröffentlicht.

Doch wo ein sichtbares Zeichen der Hoffnung gesetzt wird, regt sich oft auch das Gegenfeuer. In den Kommentarspalten und den sozialen Medien mischen sich mittlerweile aggressive Hassparolen unter die Berichte. Es drängt sich die Frage auf: Warum trägt die Menschheit immer noch so viel bitteren Hass auf Minderheiten in sich?

Hass entspringt oft der Angst vor dem Fremden und dem eigenen Unvermögen, Vielfalt als Bereicherung zu sehen. Dabei vergessen viele, wie zerbrechlich der eigene Status ist. In einer sich ständig verändernden Welt kann es in unserer Gesellschaft jeden von uns treffen, plötzlich selbst zu einer Minderheit zu gehören – sei es durch Alter, Krankheit, den Verlust des Arbeitsplatzes oder eine persönliche Überzeugung.

Dieser Hass ist nicht neu. Die Geschichte lehrt uns eine düstere Wahrheit: Es fing damals schon genauso an. Es begann ganz klein, mit Worten, mit vermeintlich harmlosen Witzen und mit gezielten Hassparolen gegen bestimmte Gruppen. Aus diesen kleinen Funken wurde am Ende eine zerstörerische Macht freigesetzt, die die Menschheit und besonders Deutschland in das tiefste Chaos und unendliches Leid gestürzt hat.

Die alarmierenden Anzeichen in der heutigen Zeit zeigen leider wieder ähnliche Muster. Besonders manche politische Parteien nutzen diese Mechanismen ganz bewusst. Sie schüren systematisch Angst vor Minderheiten, um auf Stimmenfang zu gehen. Nach außen hin will sie am Ende oft keiner gewählt haben, doch ihr messbarer Aufstieg spricht eine ganz andere, deutliche Sprache. Es ist eine Entwicklung, die uns wachrütteln muss.

Als Christinnen und Christen finden wir unseren Kompass nicht im Zeitgeist oder in Hasskommentaren, sondern im Evangelium. Blicken wir auf Jesus: Hat er jemals eine Minderheit ausgeschlossen?

Er ging zu den Zöllnern und Sündern. Er heilte die Aussätzigen, die vor den Toren der Stadt leben mussten. Er sprach mit den Ausgestoßenen und stellte sie mitten in die Gemeinschaft.

Jesus hat niemanden ausgegrenzt. Im Gegenteil: Er hat die Barrieren niedergerissen, die Menschen aus Angst und Selbstgerechtigkeit errichtet hatten. Er hat uns vorgelebt, dass die Liebe Gottes keine Grenzen kennt.

Deshalb gilt für uns heute mehr denn je: Als Christinnen und Christen müssen wir Gesicht zeigen gegen solche Parolen. Schweigen ist in Zeiten des aufkeimenden Hasses keine Option. Wenn wir zu den Worten Jesu stehen, müssen wir laut werden, wo Menschen aufgrund ihrer Identität, ihrer Liebe oder ihrer Herkunft herabgewürdigt werden. Die Flagge in Holzminden erinnert uns daran, dass Respekt und Nächstenliebe tägliche Tatkraft erfordern.