Am 27. Januar 2026 wurde der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 81 Jahren gedacht. An diesem Tag halten wir kurz inne, um der Millionen Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.
Margot Friedländer, Holocaust Überlebende, die im letzten Jahr mit 103 Jahren als eine der letzten Zeitzeugen verstorben ist, erinnerte uns unermüdlich an unsere Pflicht als Mensch und Christ: „Ich sage: Seid Menschen! Das ist, was ich Ihnen mitgebe. Wenn man Mensch ist, macht man das, was damals gemacht wurde, nicht.“
Menschsein bedeutet nach Friedländer, dass man nicht nur eine biologische Existenz hat, sondern auch eine moralische, ethnische, und nach dieser auch Handeln sollte. Es ist nach Ihren Worten eine bewusste Wahl für die Empathie zu etwas oder irgendjemanden und gegen die Gleichgültigkeit und das Wegschauen. Das Unmenschliche geschah damals nicht durch „Monster“, sondern durch Menschen, die ihr Menschsein ablegten oder der Meinung anderer folgten.
Die Geschichte lehrt uns, dass Gräueltaten dort beginnen, wo Sprache entmenschlicht und Ideologien das „Wir“ gegen das „Die Anderen“ ausspielen.
Wenn Menschen als Nummer, Ungeziefer oder Bedrohung markiert werden, sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt. Viele Handlanger, selbst Opfer eines sadistischen Staates, waren keine Sadisten, sondern funktionierende Rädchen in einem menschenverachtenden System, die ihr verantwortliches Handeln an andere abgaben.
Die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“ bleibt eine offene Wunde der Theologie.
Viele Christen ringen mit einem Gott, der die Freiheit des Menschen selbst zu denken und zu Handeln so ernst nimmt, dass er selbst dann nicht eingreift, wenn diese Freiheit für das absolut Böse missbraucht wird. Einige sehen Gott selbst als leidendes Opfer, der selbst die Qual in den Konzentrationslagern jedes einzelnen erlitt, aber selbst an diesem Punkt die Täter nicht zur Umkehr zwang.
Wir müssen schmerzhaft bekennen, dass die großen Kirchen als Institutionen damals versagten. Statt die „Stimme für die Stummen“ zu erheben, waren sie oft von eigenem Antisemitismus geprägt oder schwiegen aus Selbsterhaltungstrieb.
Menschsein im Sinne Margot Friedländers ist kein Zustand, sondern eine tägliche Übung.
Unser Auftrag für das Jahr 2026 sollte deshalb sein, da wo heute Menschen wieder ausgegrenzt oder abgewertet werden, fordert uns das „Menschsein“ zum Einspruch auf. Wir sind nicht schuld an dem, was war, aber wir sind verantwortlich dafür, dass es nie wieder geschieht.
„Ich sage: Seid Menschen! Das ist, was ich Ihnen mitgebe. Wenn man Mensch ist, macht man das, was damals gemacht wurde, nicht."