Die Eiche an der Kirche

Fällung der Eiche an der Erlöserkirche Boffzen

Tropfender Schillerporling - Kunstwerk

Viele von Ihnen werden den Pilzbefall an unserer Eiche, die neben der Erlöserkirche in Boffzen steht, vielleicht gesehen haben.

Bei diesem Pilz handelt es sich um den tropfenden Schillerporling. Der tropfende Schillerporling dringt am Stammfuß in den Baum ein und erzeugt eine Weißfäule bis in den Wurzelbereich. Der Fruchtkörper zeigt sich nicht zwingend jedes Jahr. Er trat 2021 erstmalig und in diesem Jahr erneut an der Eiche auf. Das Gefährliche an dieser Pilzart ist, dass sie die Standsicherheit der Bäume stark gefährdet. Der Grad des Befalls ist von außen nicht zu erkennen und die Standsicherheit kann nur durch Zugversuche nachgewiesen werden.

Was also tun? Nach eingehenden Gesprächen mit unseren Baumkontrolleuren, Baumpflegern und Baumgutachtern hat sich der Ortskirchenvorstand Boffzen für eine Fällung ausgesprochen. Die Standsicherheit ist nicht mehr gewährleistet. Die Eiche befindet sich inmitten von einem Wohngebiet, mit spielenden Kindern, geparkten Autos, Wohnhäusern usw.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben und schweren Herzens der Fällung zugestimmt haben. Eine so alte Eiche, die über viele Jahre das Erscheinungsbild der Kirche und des Ortes Boffzen geprägt hat, fällt man nicht einfach von heute auf morgen.

Doch wir wollen mit der Fällung nicht die Geschichte des Baumes beenden. Und begeben uns auf eine neue kreative Reise, die dem alten Baumstamm eine symbolische Bedeutung verleiht.

Wir haben uns entschieden, aus dem verbleibenden Baumstamm, Höhe ca. 2,20m, ein Kunstwerk - einen Engel - erschaffen zu lassen. Die Idee dahinter war, dem Baum eine Art von Seelenverwandlung zu ermöglichen und gleichzeitig die Erinnerung an die einst prächtige Eiche aufrechtzuerhalten. Die Durchführung und Finanzierung werden noch geprüft.Der Engel steht als Symbol für Schutz und Frieden und soll uns Menschen daran erinnern, dass selbst das Ende eines Lebenszyklus neue Anfänge bereithält.

Text: Kirsten Senftleben

Ein Engel aus Holz – neues Zeichen vor der Erlöserkirche

Aus dem Stamm der mächtigen Eiche, der nach den Fällarbeiten im vergangenen Jahr vor der Erlöserkirche Boffzen stehengeblieben war, ist etwas Besonderes entstanden: Der Boffzener Motorsägenkünstler Gerd Schoppe hat in nur zwei Tagen ein Kunstwerk geschaffen, das berührt und innehalten lässt. Aus dem rund 2,50 Meter hohen Stamm mit einem Durchmesser von mehr als 140 Zentimetern formte der 55-Jährige einen Engel, der ein Herz in den Händen hält – kraftvoll und zugleich voller Sanftmut.

Schoppe, gelernter Schweißer und weit über die Grenzen Boffzens hinaus für seine Motorsägenarbeiten bekannt, benötigte insgesamt rund 15 Stunden für das Werk. Es ist das größte Kunstobjekt, das er in seiner inzwischen 24-jährigen Tätigkeit geschaffen hat. Die Idee für die Gestalt des Engels holte er sich aus dem Internet, bestellte ein kleines Modell und passte die Form anschließend an die Dimensionen des gewaltigen Eichenstammes an. Am Donnerstag vor dem vierten Advent begann er mit der Arbeit.

Dabei hatte Schoppe auch seine Umgebung im Blick. „Da Anwohner Sorge hatten, dass Staub entstehen könnte, habe ich gemeinsam mit dem Küster Michael Rüther die Baustelle mit Bauzaungittern gesichert und zusätzlich Folien angebracht, damit weder Häuser noch Kirche verschmutzt werden“, berichtet der Künstler. Ganz zu überhören war seine Arbeit dennoch nicht: Das Dröhnen der Motorsägen war weithin zu hören.

Der Anfang sei schwierig gewesen, erinnert sich Schoppe. Mit dem 70 Zentimeter langen Schwert seiner Säge musste er von zwei Seiten exakt arbeiten, um die dicken Schwarten des Stammes zu lösen. Danach ging es zügig voran – bis eine unerwartete Herausforderung auftauchte: Im Inneren des Holzes befanden sich eingewachsene Nägel. Sie beschädigten mehrere Sägeketten, fünf davon mussten ausgewechselt werden. Insgesamt verbrauchten Schoppes Sägen rund 22 Liter Kraftstoff bis zur Fertigstellung des Engels.

Die Nägel hat der Künstler aufbewahrt. Es sind kleine Zeitzeugen, die der alte Baum erst jetzt preisgab: handgeschmiedete Nägel, vermutlich über 100 Jahre alt, einst genutzt, um Bekanntmachungen an der Eiche zu befestigen. Ihre Spuren sind bis heute sichtbar. Dort, wo sie im Holz saßen, zeigen sich dunkle Verfärbungen – Narben der Geschichte, die dem Engel zusätzliche Tiefe verleihen.

Am Samstagmorgen übergab Gerd Schoppe den fertigen Engel an den Kirchenvorstand der evangelischen Erlöserkirche. Pastorin Bertha Bolte-Wittchen und Kirsten Senftleben zeigten sich begeistert. „Wunderschön, fantastisch – hier ist etwas ganz Besonderes entstanden“, sagte Bolte-Wittchen und dankte Schoppe im Namen des Kirchenvorstandes für seine Arbeit.

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit entfaltet der Engel eine besondere Wirkung. Entstanden aus einem Baum, der fast 180 Jahre lang vor der Kirche stand, wird er nun zu einem stillen Botschafter von Hoffnung, Neubeginn und Menschlichkeit. Das Herz in seinen Händen steht sinnbildlich für Nähe, Mitgefühl und Zusammenhalt.

Für einen besonderen Akzent sorgt Küster Michael Rüther, der zugesagt hat, den Engel am Heiligen Abend stimmungsvoll mit Licht in Szene zu setzen. Wenn die Gläubigen zum Gottesdienst am Heiligabend an der 2,50 Meter hohen Holzskulptur vorbeigehen, wird sie ihnen leuchtend begegnen.

Gerade vor Weihnachten wird der Engel vor der Kirche zu einem stillen Zeichen des Friedens, an dem viele Menschen einen Moment verweilen werden.

Text: Manfred Bues